Der
Zwergpinscher hat keine Ahnung davon, dass er eigentlich sehr klein
ist.
Er hält sich gewöhnlich für einen Dobermann, und so ganz Unrecht hat
er damit ja auch nicht: Jeder Zwergpinscher ist eine maßstabsgetreue
Verkleinerung des Deutschen Pinschers, der wiederum gewissermaßen eine
Variante des Schnauzers ohne Pullover ist
(wer’s nicht glaubt, soll sich mal einen klatschnassen
Schnauzer ansehen), und damit auch der Urahne des Dobermanns, der aus
dem Pinscher gezüchtet wurde.
Er ist mindestens so wachsam, wie seine größeren Kollegen, und traut
sich mindestens so viel zu.
Theodor Fontane beschrieb ihn im „Stechlin“ als gefürchteter
Ratten- und Mäusefänger. Er ist ein lebhafter, origineller, robuster
kleiner Teufel, sehr intelligent, anhänglich und todesmutig. Der
Zwergpinscher kläfft gerne beim geringsten Geräusch, wenn man ihm
derlei nicht schon in frühester Jugend abgewöhnt. Außerdem ist er ein
unglaublicher Angeber und liebt es, im Mittelpunkt des Geschehens zu
stehen, was ihn von Natur aus zu einem phänomenalen Ausstellungshund
macht. E
r ist ein schnittiger, kompakter und gut bemuskelter kleiner Hund, der
einen ausgeprägten Bewegungsdrang hat und beschäftigt werden möchte:
Wer dem nicht gerecht wird, hat es bald mit einem Hund zu tun, der
fordernder und nörgelnder ist, als der schlimmste
Schwiegermutter-Alptraum.
Dabei ist er andererseits wirklich leicht zu erziehen, lernt Kunststücke
im Nullkommanix, hat einen wunderbaren Sinn für Humor und eine
fabelhafte Reisegröße. Er eignet sich sehr gut für Agility (mit
entsprechend seiner Größe angepassten Hindernissen) oder Obedience.
Obwohl der Zwergpinscher so klein ist, ist er aufgrund seines vergnügten
Temperaments ein guter Kinderhund – solange nicht zu grob gespielt
wird, denn die kleinen Knochen können vor allem bei Welpen und
Junghunden leicht brechen. Er ist ein ungeheuer willensstarker Hund, der
am besten zu Menschen passt, die genauso stur sind wie er.
Er muss wirklich beamtenhaft-konsequent erzogen werden, damit der
energische kleine Dickkopf nicht permanent versucht, die Oberhand in der
Familie zu gewinnen. Wenn man ihn mit Respekt behandelt und als die große
Persönlichkeit, die er nun mal besitzt, bekommt man einen wirklich
herausragenden Hund.
Katharina von der Leyen